Reisebericht Frühjahr 2018

von Sibylle Kronimus

 
Auf der Reise bei Mulanje, Foto privat

Vom 24.02. – 04.03.2018 hielt sich mit Eckhard Binder, Jan Pferdmenges und Sibylle Kronimus eine kleine Gruppe des Vereins im südlichen Malawi auf, um von Mlango e.V. finanzierte Projekte vor Ort zu kontrollieren, Kontakte zu pflegen sowie neue Aktivitäten voranzubringen.

Wer in dieser - grünen - Jahreszeit nach Mulanje reist, das zu Füßen des gewaltigen Mulanje Bermassivs liegt, muss sich auf Wärme, hohe Luftfeuchtigkeit, Gewitter und Starkregen einstellen. Gut, dass wir ein kompaktes Steinhaus bewohnen konnten. Allerdings blieben wir nicht von zeitweisem Stromausfall verschont und tagelang gab es kein fließendes Wasser.


Immer wieder gibt es schwierige Straßenverhältnisse, Foto privat

Für den größten Teil der malawischen Bevölkerung, der meist in kleinsten Häusern und Hütten ohne Strom und Wasser lebt, stellt diese feuchte Zeit eine von mehreren Herausforderungen im täglichen Leben dar. Trotz des Regens droht z. B. 2018 eine Hungerzeit mit Mangelernährung, weil der im November/Dezember 2017 als Grundnahrungsmittel angebaute Mais im Januar durch lokale Trockenphasen verkümmert ist und mancher Orts keine Maiskolben gebildet hat. Die Nachsaat von Mais, der ersatzweise Anbau von Süßkartoffeln oder Maniok werden die Nahrungsknappheit in den kommenden Monaten nicht verhindern können.

Mit dem Hauptprojekt „Schulspeisung“ sorgt Mlango dafür, dass Kinder morgens vor dem Schulunterricht eine warme Mahlzeit erhalten. Das Likuni Phala genannte Mais-Soja-Gemisch (nach WHO mit Vitaminen und Mineralien angereichert) wird wie ein Grießbrei angerichtet. Eine Teller davon ist oft das einzige vollwertige Tagesessen für die Kinder.


Likuni Phala, wie es an die Schulen geliefert wird, Foto privat

Dank des Spendenaufkommens wurde im Januar 2018 Mapereka als neue Schule in das Schulspeisungsprogamm aufgenommen, so dass inzwischen ca. 3.800 Schülerinnen und Schüler an vier Grundschulen ohne Hunger dem Unterricht folgen können.

An den Schulen in Nsanjama, Mwangothaya, Nkondezi und Mapereka – überall werden wir von fröhlichen Kindern begrüßt.


Freude und Neugier der Kinder beim Empfang der Reisegruppe, Foto privat

Zusammen mit Schulleitern, Lehrern, Schulkomitee-Mitgliedern, Dorfältesten und Eltern empfangen sie uns und Wyson Phillipo, unseren Koordinator vor Ort, mit einer kleinen Feier. Sie bedanken sich für die Schulspeisung sowie die vielfältige Unterstützung, z. B. bei den Schulgärten und Baumpflanzungen.


Holz sparende Kochöfen mit Öffnung zum Einsetzen der großen Kochtöpfe, Foto privat

Die Küchenhäuser und die holzsparenden Kochöfen mit Töpfen werden von uns inspiziert. Wir notieren, was teilweise fehlt, ersetzt oder repariert werden muss: Teller und Löffel, Kochtöpfe, Schürzen, Wasserhähne, Küchendach mit Löchern, Wasserpumpen (fördern teilweise salziges! Wasser); auch Hefte und Stifte oder Taschenlampen für die Küche werden benötigt; es gibt Bedarf an Klassenräumen und Unterständen, Toiletten, Stromversorgung (mit Solarmodul). Viel Freude bereiten wir mit den mitgebrachten, gespendeten Trikots und Bällen für je eine Fußballmannschaft. In Nsanjama bedanken sich die Schüler mit einem Fußballmatch in den neuen Shirts.


Der Fußballplatz ist etwas uneben, Foto privat

In Malawi lebt der größte Teil der Bevölkerung in kleinbäuerlichen Familien auf dem Land. Die Menschen leben meist von der Hand in den Mund, da sie auf kleinen Parzellen wirtschaften und die ausgelaugten Böden nährstoffarm sind. Nachhaltige Anbaumethoden für Gemüse und Obst sind nicht bekannt oder stecken in den Kinderschuhen.

Da außerdem das Kochen auf uneffektiven 3 Steine – Öfen verbreitet ist, wird viel Brennholz benötigt. Frisches Holz oder Holzkohle werden verbrannt und führen zu Gesundheitsschäden durch rußigen Qualm. Die natürlichen Wälder werden gerodet, größere Neuanpflanzungen von Feuerholz sind selten.


Kochen auf dem 3 Steine - Ofen, Foto privat

Deshalb bearbeitet Mlango als weiteren Schwerpunkt den Aufbau und die Bewirtschaftung von Schulgärten und Baumpflanzungen. Hier stecken wir noch in der Anfangsphase, doch engagierte Lehrer, ein hilfreiches Handbuch (FAO-Manual: Setting up and running a school garden), vermehrte Kontakte zu Forst- und Landwirtschaftsinstituten sowie neugierige und wachsame Kinder werden uns helfen, die Bewirtschaftung der Schulgärten zu verbessern und am Laufen zu halten. Und die ersten Kinder haben ihr Wissen bereits nach Hause zu ihren Familien und in die Dörfer weitergetragen. So stellen wir uns Hilfe zur Selbsthilfe vor.

Seit mehreren Jahren hat Mlango Kontakt zum MMCT (Mulanje Mountain Conservation Trust) einer „Forstbehörde“, die u.a. unter Einbeziehung der Bevölkerung das benachbarte Mulanje Mountain Massiv vor Entwaldung schützen will. Die dort endemische Mulanje Zeder, u. a. ein beliebtes Holz für Schreiner und Schnitzer, ist vom Aussterben bedroht.

Mit vom MMCT gespendeten Baumsamen und –jungpflanzen, die wir an den Schulen verteilen, wollen wir erreichen, dass dort Obst-, Dünger- und Feuerholzbäume dauerhaft wachsen. Die Schüler sollen den Bäumen als Nahrungsspender und Feuerholzlieferanten mehr Aufmerksamkeit schenken und ihren Wert schätzen lernen.

Wir stellten fest, dass in Nsanjama und Mapereka die Baumpflanzungen gut gepflegt werden. Insbesondere fielen kleine Anpflanzungen von Eukalyptus auf, die für die Kochöfen als Feuerholz genutzt werden sollen.

In Nsanjama wurden die im Januar übergebenen 30 Baumsetzlinge um drei große Erdnussbeete oder in einem extra Obstgarten auf dem Schulgelände eingepflanzt, größtenteils mit Schutz ( kurze Bambusstangen, Ziegelreihe; Obstgarten mit kleinem Erdwall als Abgrenzung).


In Nsanjama werden die Baum-Jungpflanzen geschützt, Foto privat

Es wurde an den Schulen aber immer wieder sehr deutlich, dass es durch Trockenheit, spärliche Pflege, Vandalismus oder Fraßschäden viele Ausfälle bei den Jungpflanzen gibt. Deshalb möchte ich eine intensive Schulung durch MMCT/WESM durchführen lassen, die interessierten Landwirtschaftslehrern vermittelt, wie an den Schulstandorten eine Baumschule angelegt wird, wie die Bäume vermehrt und die Pflanzenstandorte gepflegt und vor Schäden geschützt werden müssen.

Wir unterstützen die Schulen bei den Schulgärten nicht nur mit Saatgut oder Material z. B. für den Bau eines Gartenzauns. Seit 2014 widme ich mich verstärkt der Frage, wie die Erträge der Schulgärten verbessert werden können. Mit dem genannten FAO-Handbuch konnte ich den Lehrern eine gute Anleitung an die Hand geben. Es enthält u. a. Grundlagen für eine bodenverträgliche Gartenbewirtschaftung und zeigt auf, wie mit einfachen Mitteln gute Erträge zu erwarten sind, z. B. Kompostierung und Mulchen zur Nährstoffanreicherung und Erhöhung der Bodenfeuchte. Beim diesjährigen Aufenthalt konnte ein neuer Kontakt zu einer nahe gelegenen Landwirtschaftlichen Forschungsstation geknüpft werden.


BARS (Bvumbwe Agricultural Research Station), eine staatlichen Einrichtung, Foto privat

Der verantwortliche Leiter für Gartenbau und Obstbäume zeigte sich sehr aufgeschlossen gegenüber den Schulgarten-Aktivitäten von Mlango. Ich vereinbarte mit ihm eine engere Zusammenarbeit. Hilfestellung wurde mir zugesagt bei: Saatgut-/Pflanzenauswahl, Kompost-Anlage, Boden- und Wasseruntersuchungen durch Instituts-Mitarbeiter, lebende Gartenzäune, Komposttoiletten, Fortbildung für Lehrer. Auf jedem Schulgelände trafen wir bei unseren Rundgängen auf grüne Schulgärten. Sie waren bei drei Schulen von teilweise windschiefen Bambus/Stroh-Schutzzäunen umgeben, u. a. gegen Einsturz abgestützt.

Seit Beginn der Regenzeit wurde bereits zum zweiten Mal angepflanzt, z. B.  Bohnen, Kürbis, Chinakohl, Mais, Mangold, Erbsen, Erdnüsse. Die Gartengröße und die Gemüsesorten variierten.


Ob der Zaun hält, bis das Gemüse geerntet werden kann?  Foto privat

Was angebaut wird, entscheidet der Landwirtschaftslehrer mit seinen Gartenhelfern (z. B. Lehrer, Dorfbewohner, Eltern, Schüler), die meist in einem Schulgarten-Komitee organisiert sind. In Nsanjama gibt es drei große Beete, auf denen als zweite Pflanzung grüne, gesunde Erdnusspflanzen gedeihen. Die geernteten Erdnüsse sollen an die Schulkinder als Zusatz zur Schulspeisung verteilt werden. Zuvor waren hier Mais und Süßkartoffeln angebaut.

Es freute mich, an allen Schulen  zu erfahren, dass das geerntete Gemüse zusammen mit Schülern gegessen oder verkauft wird und der Erlös u.a. hilfsbedürftigen Schülern zu Gute kommt. Auf meine Nachfrage hin gaben einige Lehrer an, das FAO-Handbuch als Hilfestellung zu nutzen. Doch nur George von Nsanjama nutzt es intensiver. Er überlegt, mit den Schülern einen kleinen Shop zum Verkauf von Gemüse/Obst aufzubauen (Idee dürfte aus dem FAO-Manual stammen).

Ich machte immer wieder deutlich, dass die Schulgärten eine hohe Priorität im Unterricht und Schulalltag haben sollten und dass das Handbuch gute Informationen und Tips bereit hält. Letztendlich entscheiden die Menschen vor Ort, was sie übernehmen wollen.

Auch wenn in Nsanjama ein sehr engagierter Lehrer arbeitet, fehlt ein beständiger fachlicher Austausch. Es gibt keine verlässliche Verbindung via Handy oder Internet, da auf dem Land die Stromversorgung mangelhaft ist. Deshalb ist Geduld gefragt, bis Veränderungen sichtbar werden.

Unser langjähriger Kontaktmann vor Ort ist seit November 2017 als Mlango-Koordinator angestellt. Er hat ein kleines Büro, das direkt anschließt an die CCAP-Missionskirche beim Mulanje Mission Hospital.  Von hier aus kann und soll er unsere Projekte und Aktionen intensiver betreuen und organisieren.


Wyson Phillipo, Mlango-Koordinator vor Ort, Foto privat

Die Entscheidungswege werden zeitlich optimiert und wir erhoffen uns dadurch eine beständigere und wirkungsvollere Arbeit an den Schulen und für die Menschen vor Ort. Nach den Schulbesichtigungen nannten wir ihm wichtige Aufgaben und ich glaube, ihm brummte der Kopf: Reparaturen – Bestellungen – Kontrollen –  Schulen intensiv betreuen – (Inventar-) Listen führen – Zahlungen veranlassen – Recherchen – Kontakte pflegen – ständiger Austausch mit Mlango…

Reisegruppe mit Wyson Phillipo und CCAP Reverend Dr. Billy Gama, Foto privat

Ich könnte noch so manches von dieser 9 Tage – Reise berichten, auf der wir interessante Menschen trafen, Kontakte aufgebaut und gepflegt haben, viele Dinge abgearbeitet haben, die sich nur vor Ort erledigen lassen, und nach einem Green um 23 Uhr unter dem Moskitonetz einschliefen.

Ich freue mich, wenn sich uns Interessierte anschließen, um durch Unterstützung und Mithilfe bei unseren Projekten Schulkindern, ihren Familien und weiteren Menschen von „Malawi – The Warm Heart of Africa“ zu einem auskömmlichen Leben vor Ort zu verhelfen.


Ohne Hunger lernt es sich besser, Foto privat